Therapieziel komplette Remission

Das Ziel der AML-Therapie ist es, die Leukämiezellen möglichst schnell und vollständig zurückzudrängen, bis eine sogenannte komplette Remission erreicht ist. Von einer kompletten Remission spricht man, wenn der Anteil an Leukämiezellen (Blasten) auf unter 5 % im Knochenmark gefallen ist. Dies geschieht während der Induktionstherapie durch eine hoch dosierte Chemotherapie. Eine komplette Remission bedeutet, dass die AML erst einmal zurückgedrängt wurde nicht aber, dass sie geheilt ist. Da trotz kompletter Remission immer noch restliche Leukämiezellen vorhanden sein können, erfolgt eine Konsolidierungstherapie. Diese kann aus einer Chemotherapie oder einer Stammzelltransplantation bestehen. Ziel ist es, mögliche verbliebene Leukämiezellen zu zerstören. Schließlich kann noch eine Erhaltungstherapie folgen, mit dem Ziel, die komplette Remission weiter aufrechtzuerhalten, um einen Rückfall zu verhindern.

Komplette Remission = AML zurückgedrängt, die Symptome verschwinden in der Regel.

Komplette Remission bei AML = weniger als 5 % Blasten im Knochenmark (und einige andere Kriterien)


Die Standardtherapie der AML

Die Therapie der AML ist eine Chemotherapie mit Medikamenten, die Leukämiezellen zerstören sollen (sogenannte Zytostatika). Es werden dabei mehrere Zytostatika gleichzeitig eingesetzt, um die Leukämiezellen an verschiedenen Angriffspunkten zu attackieren, was die Effektivität der Behandlung verbessert.

Schritt für Schritt die AML behandeln

Die Behandlung besteht aus mehreren Phasen, die je nach Form der AML und Ihrem Gesundheitszustand individuell auf Sie zugeschnitten werden. Da die Chemotherapie auch gesunde Zellen schädigt, erfolgt sie in mehreren Zyklen. Dazwischen liegen Pausen, in denen sich Ihre eigenen Körperzellen wieder erholen können. Insgesamt kann eine Behandlung mehrere Monate bis hin zu eineinhalb Jahre dauern.


Der Weg des Patienten durch die Behandlung

Nach der Diagnose wird unmittelbar mit der Behandlung begonnen, um keine Zeit zu verlieren. Je nach Ihren individuellen Begebenheiten kann diese Behandlung unterschiedlich ausfallen.
Ein Teil der Patienten bekommt eine nicht-intensive Chemotherapie, die teilweise ambulant durchgeführt wird.
Für viele Patienten kommt aber auch ein anderes Therapieschema in Frage.

Das bedeutet für Sie als Patient, dass Ihnen mehrmals stationäre Krankenausaufenthalte von mehreren Wochen in einer Spezialklinik bevorstehen, im Wechsel mit Phasen, in denen Sie zu Hause sein werden.

Sie erhalten dort die Induktionstherapie, eine Chemotherapie mit mehreren Zytostatika, die Ihnen als Infusion verabreicht werden. Gleichzeitig werden mögliche Nebenwirkungen entsprechend behandelt.

In Phasen wenn Sie besonders überwacht werden müssen, verbringen Sie die Zeit auf einer Überwachungs- oder Intensivstation. Dort kann man sich während der für Ihren Körper belastenden Behandlung rund um die Uhr um Sie kümmern.

Dennoch bleiben viele Fragen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber, wie Ihre individuelle Situation ist.

  • Wann sind sie während der Behandlungspausen im Krankenhaus oder zu Hause?
  • Ist eine ambulante Chemotherapie möglich?
  • Was passiert während einer längeren Therapiepause?
  • Was bedeutet es in eine Studie aufgenommen zu werden?

Die einzelnen Therapiephasen

Die Therapie der AML erfolgt in mehreren Behandlungsphasen, die individuell auf Sie abgestimmt werden:

  1. Induktionstherapie
  2. Konsolidierungstherapie
  3. Erhaltungstherapie

Unmittelbar nach der Diagnose startet die sogenannte Induktionstherapie. Dabei handelt es sich um eine hoch dosierte Chemotherapie, mit dem Ziel, möglichst schnell eine Remission zu erreichen. Die Induktionstherapie besteht in der Regel aus einem 3+7-Schema. Das bedeutet, dass Sie drei Tage lang ein sogenanntes Anthrazyklin (z.B. Daunorubicin, Idarubicin oder Mitoxantron) erhalten, gefolgt von einer siebentägigen Behandlung mit Cytarabin. Je nach Situation erfolgt die Behandlung in einem oder zwei Blöcken mit einem Abstand von einigen Wochen. Die Therapiepause dient dazu, dass sich Ihr Körper zwischen den Behandlungen erholen kann.

Etwa zwei bis drei Wochen nach Beginn der Behandlung erfolgt eine Knochenmarkuntersuchung, um festzustellen, ob die Therapie erfolgreich ist. Eine komplette Remission erreichen etwa zwei Dritteln der Patienten. Wann und ob eine Remission erreicht wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie beispielsweise vom Vorhandensein bestimmter Mutationen, dem Alter und davon, wie weit die Erkrankung bei Diagnose bereits fortgeschritten war.

Die Induktionstherapie ist eine sehr belastende Phase für Ihren Körper und kann mit starken Nebenwirkungen verbunden sein. Es besteht ein hohes Blutungs- und Infektionsrisiko, weshalb Sie in dieser Zeit besonders vorsichtig sein und sich vor Infektionsquellen schützen müssen. Zur Unterstützung erhalten Sie in dieser Zeit eine intensive Begleittherapie, beispielsweise mit Blutprodukten und Antibiotika.

An die Induktionstherapie schließen sich weitere Chemotherapiezyklen an, die sog. Konsolidierungstherapie. Ziel dieser Phase ist es, noch vorhandene Leukämiezellen zu zerstören, um die Gefahr eines Rückfalls zu minimieren. Die Behandlung besteht in der Regel aus drei bis vier Blöcken Chemotherapie mit einer ungefähren Dauer von je sechs bis acht Tagen. Als Zystotatikum wird in der Regel Cytarabin verwendet. Zwischen den Behandlungsblöcken liegt jeweils wieder eine mehrwöchige Behandlungspause, damit Sie und Ihr Knochenmark sich erholen können. Die Dauer der Konsolidierungstherapie beträgt in der Regel vier bis sechs Monate.

Eine weitere Möglichkeit der Konsolidierungstherapie ist die Stammzelltransplantation. Sie wird in der Regel bei Patienten durchgeführt, die ungünstige Genmutationen aufweisen und bei denen die Gefahr eines Rückfalls sehr hoch ist.

Stammzelltransplantation

Eine Stammzelltransplantation wird in der Regel durchgeführt, wenn die Gefahr eines Rückfalls nach einer kompletten Remission sehr hoch ist oder es nach der Behandlung zu einem Rückfall kommt.

Bei der Stammzelltransplantation werden die kranken Blutstammzellen in Ihrem Knochenmark durch die eines gesunden Spenders ersetzt. Als Spender kommen sowohl Verwandte als auch fremde Personen in Betracht, wenn die Gewebemerkmale des Spenders mit Ihren eigenen zusammenpassen. Die Wahrscheinlichkeit, einen passenden Spender zu finden, ist heutzutage sehr hoch. Sie liegt in Deutschland bei über 75 %,da mittlerweile weltweit Millionen von Menschen als Knochenmarkspender registriert sind.

Die Stammzelltransplantation wird in einer spezialisierten Transplantationsklinik durchgeführt.

Die Behandlung besteht aus zwei Phasen:

In manchen Fällen kann eine weitere Behandlungsphase, die sogenannte Erhaltungstherapie, erfolgen. Ziel dieser Phase ist es, eine komplette Remission aufrecht zu halten. Diese Therapiephase wird sehr individuell geplant. Zum Einsatz können hier nun auch Substanzen kommen, die für Patienten mit bestimmten Mutationsmustern zugelassen sind und diese Mutationen gezielt angreifen.

Leider lässt es sich häufig nicht vermeiden, dass Sie durch die Behandlung Nebenwirkungen zu spüren bekommen. Hilfreich kann hier eine zusätzliche unterstützende Begleitbehandlung (supportive Therapie) sein, die Nebenwirkungen verhindern oder abschwächen und Ihre Lebensqualität verbessern kann. Eine Begleitbehandlung kann in allen Phasen der Therapie angewendet werden. Zur Begleitbehandlung gehören beispielsweise die Transfusion von Blutprodukten (rote Blutkörperchen zur Behandlung einer Anämie oder Blutplättchen zur Behandlung einer Thrombozytopenie), die Gabe von Antibiotika zur Vermeidung von Infektionen oder Medikamente gegen Pilzinfektionen.


Kontrolle Und Nachsorge

Arzt im Gespräch mit älterer Dame

In den letzten Jahrzehnten ist der Anteil an AML-Patienten, die eine dauerhafte komplette Remission erreichen, kontinuierlich gestiegen.

Patienten, bei denen die Behandlung erfolgreich war, können nach Abschluss der Behandlung trotz mehr oder weniger großen Beeinträchtigungen in der Regel ein weitgehend normales Leben wieder aufnehmen.
Im Anschluss an die Therapie sind jedoch regelmäßige Kontrolluntersuchungen notwendig, die in der Regel ambulant durchgeführt werden. Sie dienen dazu, einen möglichen Rückfall oder durch die Chemotherapien bedingte Spätschäden rechtzeitig zu erkennen. Die Nachsorgeuntersuchungen umfassen eine ausführliche körperliche Untersuchung, ein Blutbild und ggf. eine Untersuchung des Knochenmarks.

Quellen:

  1. C. Brandts, A. Kim, H. Serve. Die Akute Myeloische Leukämie (AML) des Erwachsenen. Wissenswerte Informationen rund um die AML für Patienten und Angehörige. Kompetenznetz Leukämien, Februar 2017.
  2. Medizinische Hochschule Hannover, Klinik für Hämatologie, Hämostaseologie, Onkologie und Stammzelltransplantation. Leukämien; https://www.mh-hannover.de/4737.html. (zuletzt besucht im Juli 2017).
  3. Universitätsklinik Köln, Innere Medizin 1. Akute Leukämien (AML, ALL) und myelodysplastische Syndrome (MDS); https://innere1.uk-koeln.de/erkrankungen-therapien/akute-leukaemien-aml-all-und-myelodysplastische-syndrome-mds/ (zuletzt besucht am 21.07.2017).
  4. DGHO-Leitlinie Akute Myeloische Leukämie (AML), Stand März 2017.
  5. Zentrales Knochenmarkspender-Register Deutschland, 25 Jahre Zentrales Knochenmarkspender-Register Deutschland 07.04.2017; https://www.zkrd.de/de/press/detail/12764 (zuletzt besucht am 02.11.2017).